
Was im Assessment Center passiert, worauf die Beobachter achten und wie Sie sich auf Gruppendiskussion, Fallstudie, Rollenspiel, Postkorb und Tests vorbereiten.
Im Assessment Center (AC) beurteilt ein Unternehmen Bewerber nicht danach, was sie über sich erzählen, sondern danach, wie sie sich in Übungen verhalten, die echten Arbeitssituationen nachempfunden sind. Ein AC dauert meist einen halben bis ganzen Tag. In der Regel nehmen mehrere Bewerber gleichzeitig teil. Mehrere Beobachter beurteilen ihr Verhalten während der Übungen. Eingesetzt wird es vor allem bei Traineeprogrammen, im Vertrieb und für erste Führungspositionen. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie ein AC abläuft, worauf die Beobachter achten und wie Sie sich auf die einzelnen Übungen vorbereiten.
Typischer Ablauf
- Begrüßung und Vorstellung des Unternehmens. Schon hier achten Beobachter darauf, wie Sie mit anderen Bewerbern umgehen.
- Selbstpräsentation. Zwei bis fünf Minuten über Sie, oft mit Flipchart.
- Gruppenübung. Diskussion oder gemeinsame Problemlösung mit vier bis acht Personen.
- Einzelübungen. Fallstudie mit Präsentation, Rollenspiel, Postkorb.
- Tests. Logik, Zahlen, Sprache, Persönlichkeitsfragebogen, manchmal ein Englischtest.
- Interview. Häufig strukturiert, mit Fragen zu konkreten Situationen aus Ihrer Vergangenheit.
- Feedback. Manche Unternehmen geben es noch am selben Tag. Wenn nicht, fragen Sie danach.
Worauf die Beobachter achten
Vor dem AC legt das Unternehmen fest, welche Kompetenzen für die Stelle erforderlich sind. Jeder Beobachter achtet auf bestimmte Verhaltensweisen, typischerweise:
- Teamfähigkeit: Lassen Sie andere ausreden, greifen Sie Ideen auf, bringen Sie die Gruppe zum Ergebnis?
- Kommunikation: Sprechen Sie klar und auf den Punkt, und hören Sie zu?
- Analytisches Denken: Erkennen Sie das Wesentliche und treffen Sie eine begründete Entscheidung?
- Selbstorganisation: Wie gehen Sie mit Zeitdruck um, was priorisieren Sie?
- Durchsetzung und Führung: Können Sie die Gruppe lenken, ohne andere zu übergehen?
Die Kompetenzen stehen oft schon in der Stellenanzeige. Notieren Sie sie und überlegen Sie sich zu jeder ein Beispiel aus Ihrer Erfahrung.
Gruppendiskussion
Sie bekommen eine Aufgabe, etwa aus zehn Kandidaten drei für eine Beförderung auszuwählen oder eine Kampagne mit festem Budget zu planen, und 20 bis 40 Minuten Zeit. Bewertet wird der Weg, nicht die richtige Antwort.
- Melden Sie sich früh zu Wort. Wer zehn Minuten schweigt, gibt den Beobachtern nichts zu bewerten.
- Schlagen Sie eine Struktur vor: „Sollen wir zuerst die Kriterien festlegen und dann die Kandidaten durchgehen?“
- Achten Sie auf die Zeit. Eine Gruppe ohne Ergebnis schneidet als Ganzes schlecht ab.
- Beziehen Sie zurückhaltende Teilnehmer ein: „Wie siehst du das?“ ist genau das Verhalten, das Beobachter suchen.
- Nicht dominieren. Wer nur die eigene Meinung durchdrückt, wird schlechter bewertet als jemand, der die Gruppe voranbringt.
Fallstudie und Präsentation
- Lesen Sie zuerst die Aufgabe und klären Sie, welche Frage genau beantwortet werden soll.
- Wählen Sie zwei, drei entscheidende Zahlen oder Fakten. Alles zu verarbeiten, erwartet niemand.
- Entscheiden Sie sich. „Ich empfehle Variante B, weil …“ wirkt stärker als „Es kommt darauf an“.
- Nennen Sie Risiken und was Sie mit mehr Zeit noch prüfen würden.
- Beginnen Sie die Präsentation mit Ihrer Empfehlung und erläutern Sie anschließend die Gründe. Bleiben Sie bei Rückfragen ruhig und sagen Sie offen, wenn Sie etwas nicht wissen.
Rollenspiel
Ein Beobachter spielt einen unzufriedenen Kunden, einen Mitarbeiter mit Leistungsproblemen oder einen schwierigen Kollegen. Stellen Sie zuerst Fragen und hören Sie zu, bevor Sie Lösungen anbieten. Fassen Sie zusammen, was Sie gehört haben („Wenn ich Sie richtig verstehe, stört Sie vor allem …“), und vereinbaren Sie am Ende einen konkreten nächsten Schritt.
Postkorbübung
Sie erhalten ein Postfach voller E-Mails und Aufgaben und zu wenig Zeit. Bewertet wird, wie Sie priorisieren. Verschaffen Sie sich erst einen Überblick, bevor Sie antworten. Trennen Sie Dringendes und Wichtiges von dem, was sich delegieren lässt oder warten kann, und notieren Sie zu jeder Entscheidung einen Satz Begründung. Danach wird oft gefragt.
Tests
Logik- und Zahlentests lassen sich üben. Einige Übungsaufgaben machen Sie mit dem Format und dem Zeitdruck vertraut, sodass Sie im echten Test keine Zeit mit dem Verstehen der Aufgabe verlieren. Persönlichkeitsfragebögen beantworten Sie ehrlich. Wer die „richtige“ Antwort zu treffen versucht, fällt meist durch widersprüchliche Angaben auf.
Vorbereitung am Tag davor
- Lesen Sie die Website des Unternehmens, aktuelle Meldungen und die Stellenanzeige noch einmal.
- Bereiten Sie fünf bis sechs Beispiele aus Beruf oder Studium vor, passend zu den Kompetenzen der Stelle. Dabei hilft der Artikel Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch.
- Üben Sie Ihre Selbstpräsentation laut und mit Stoppuhr.
- Schlafen Sie ausreichend. Ein ganztägiges AC erfordert auch am Nachmittag Konzentration.
- Kleidung eine Stufe formeller als im Unternehmen üblich.
Häufige Fragen
Konkurriere ich mit den anderen Teilnehmern?
Weniger, als man denkt. Die Beobachter beurteilen alle Teilnehmer anhand derselben Kriterien. Es können alle weiterkommen oder keiner. Zusammenarbeit lohnt sich deshalb mehr als Konkurrenz.
Was, wenn eine Übung schiefgeht?
Eine einzelne Übung entscheidet nicht. Die Beobachter sehen sich jede Kompetenz in mehreren Übungen an, eine schwächere Leistung lässt sich später ausgleichen.
Gibt es Assessment Center auch online?
Ja, viele Unternehmen führen sie per Videokonferenz durch. Die Übungen sind dieselben. Testen Sie vorab Ihre Technik und Internetverbindung. Wählen Sie einen ruhigen Platz und lassen Sie die Kamera während der Übungen eingeschaltet.
Wie bereite ich mich auf das Interview im AC vor?
Wie auf jedes Vorstellungsgespräch. Die Anleitung Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch führt Sie Schritt für Schritt durch.
Zum Assessment Center eingeladen werden Sie aufgrund Ihrer Unterlagen. Mit dem kostenlosen Lebenslauf-Editor passen Sie Ihren Lebenslauf an die Stelle an, und das Anschreiben entsteht aus Lebenslauf und Stellenanzeige.